Tragödie von Crans-Montana forderte Luftrettungssystem
01. / 02. Januar 2026: Die Brandkatastrophe in einer Bar in Crans-Montana in der Neujahrsnacht mit circa 40 Todesopfern und über 110 Verletzten, viele von ihnen mit schweren Verletzungen, hat die Schweizer Notfallmedizin enorm gefordert. Rund zehn Rettungshelikopter flogen für die unmittelbare Hilfe vor Ort. Die begrenzten intensivmedizinischen Kapazitäten in der Schweiz bei einem solchen Grossereignis machten später zahlreiche Verlegungsflüge notwendig. Neben Helikoptern und Crews von Air-Glaciers, Rega und Air Zermatt kamen am 1. Januar auch Rettungshelikopter aus Italien und Rega-Ambulanzjets zum Einsatz.
Um 01.32 Uhr sei der Notruf bei der Air Zermatt eingegangen. Unmittelbar darauf sei ein Rettungshelikopter mit Pilot, Rettungssanitäter und Notarzt von Gampel Richtung Crans-Montana gestartet, teilte das Unternehmen mit. Zur Verstärkung seien später Helikopter von Raron und Zermatt hinzugekommen, dies neben den Rettungscrews von Air-Glaciers und Rega. Die Rega hat in der Neujahrsnacht Rettungshelikopter aus der ganzen Schweiz, insgesamt acht Maschinen, aufgeboten und zur Unterstützung nach der Katastrophe ins Wallis geschickt. Bereits am Morgen des 1. Januar kam auch Unterstützung aus Italien, so flog zum Beispiel ein AW139 der Luftrettungsbasis in Aosta Patienten von Crans Montana nach Genf, später kamen weitere Rettungshelikopter aus Italien für Patiententransporte hinzu. Um die Mittagszeit hatte die Rega alle ihre drei Challenger 650 Ambulanzjets nach Sion beordert, wie der Leiter Bereich Helikopter Einsatz bei der Rega, Philipp Simmen, gegenüber SRF erwähnte. Dass zwei dieser Jets mehrmals zwischen Sion und Zürich unterwegs waren, um Patienten auszufliegen und ein Ambulanzjet mit Opfern bis nach Stuttgart flog, lässt das schlimme Ausmass der Katastrophe erahnen.
Begrenzte intensivmedizinische Kapazitäten
Obwohl das Spital Wallis sehr rasch den Katastrophenplan aktivierte, reichten die Kapazitäten im Wallis nicht aus, um die zahlreichen Schwerverletzten optimal zu betreuten. Es ist ein bekanntes Problem, dass in der Schweiz nicht allzu viele der teuren Plätze auf Intensivstationen in Reserve gehalten werden. Unter anderen hat Mathias Zürcher, Leiter des Schweizerischen Zentrums für Rettungs-, Notfall- und Katastrophenmedizin (SZRNK) auch im letzten Jahr in Interviews wiederholt darauf hingewiesen, dass die Kapazitäten auf Intensivstationen in der Schweiz bei Grossereignissen mit 25 und mehr Schwerverletzten rasch ausgereizt sein können. Umso wichtiger ist es in solchen Situationen, dass Patientinnen und Patienten mit geeigneten Luftrettungsmitteln rasch in geeignete Kliniken mit entsprechenden Kapazitäten verlegt werden können – was bei Grossereignissen rasch auch über die Landesgrenzen hinaus notwendig werden kann. Das zeigte sich nicht nur beim Rega-Flug nach Stuttgart, auch aus Italien kam weitere Unterstützung, so landeten am Nachmittag zwei weitere AW139 und ein H145 italienischer Rettungsorganisationen in Sion.
Auch wenn ein Grossereignis im Fokus steht, können daneben weitere Kapazitäten gefordert sein, so war es auch am Neujahrstag der Fall. So schreibt die Air Zermatt in einer Mitteilung: „Um trotz des Grossereignisses die Einsatzbereitschaft im ganzen Kanton jederzeit sicherzustellen, hat die Air Zermatt ihr Dispositiv laufend angepasst: Helikopter wurden umgerüstet und Crews neu disponiert, damit auch weitere Notfälle im Wallis ohne Verzögerung abgedeckt werden konnten.“ So habe man bei medizinischen Notfällen und Wintersportunfällen Hilfe aus der Luft gebracht, sei zu einer Spaltenrettung bei Saas-Fee gerufen worden und habe bei einem Flächenbrand im Aletschgebiet unterstützt. Eugen Bürgler

Kartenausschnitt aus dem DABS, dem Daily Airspace Bulletin Switzerland, vom 1. Januar 2026. Der rote Kreis in der Mitte zeigt das Flugbeschränkungsgebiet um Crans-Montana. Im Umkreis von 2,8 Kilometern wurde wegen der zahlreichen Rettungsflüge eine „R-Area“ eingerichtet. Quelle skybriefing




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