Patriot: Verspätung und Kosten wachsen weiter

04. September 2026: Der erhoffte Deal mit Deutschland zum Luftverteidigungssystem Patriot kommt nicht zustande, wie das Schweizer Radio und Fernsehen SRF in Erfahrung gebracht hat. Für die geplante Schweizer Patriot-Beschaffung heisst das, dass die massiven Mehrkosten und die mehrjährige Verzögerung nicht abgefedert werden können.

Ganz am Anfang ist die geplante Erneuerung der bodengestützten Luftverteidigung (Bodluv) bei der Schweizer Luftwaffe – etwas im Schatten der F-35-Beschaffung – vergleichsweise problemlos und unbestritten abgelaufen. Für rund zwei Milliarden Schweizer Franken sollten fünf Feuereinheiten des bewährten Bodluv-Systems Patriot eingeführt werden. Dann hat die geopolitisch verschärfte Lage, insbesondere mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine und später auch der Krieg im Mittleren Osten, auch dieses Schweizer Rüstungsvorhaben gehörig auf den Kopf gestellt. Machtpolitik ist in den internationalen Beziehungen wieder eine dominierende Grösse und für die Schweiz bedeutet das bei geplanten Rüstungsbeschaffungen: Hinten anstehen und enorme Mehrkosten.

Eigentlich hätten schon in diesem Jahr die ersten Patriot-Elemente in der Schweiz eintreffen sollen. Weil die Lieferungen von Patriots in die Ukraine und noch stärker der Verbrauch der Munition im Mittleren Osten die Produktionskapazitäten deutlich überstiegen haben, „priorisierten“ die USA die Patriot-Lieferungen neu. In der Schweiz bestand allerdings Hoffnung, mit Deutschland einen Deal abschliessen zu können. Dieser hätte vorgesehen, dass eine für Deutschland bestimmte Lieferung ab nächstem Jahr von Deutschland an die Schweiz weitergegeben worden wäre, da sie nicht exakt der von Deutschland gewünschten Konfiguration entspricht. Wäre dieser Abtausch zustandegekommen, hätten die Mehrkosten „nur“ rund eine Milliarde Franken betragen. Daraus wird nun laut der Meldung von SRF, die sich auf Rüstungschef Urs Loher beruft, nichts. Nun sollen die Mehrkosten laut SRF 1,7 bis 4 Milliarden Franken betragen. Grund dafür seien die Teuerung wegen der späteren Lieferung und Weiterentwicklungen. Denn geliefert werden könnte laut neusten Informationen nicht vor den frühen 2030er-Jahren.

Klar wird damit einzig, dass die vom Bundesrat bereits als Option genannte Beschaffung eines zweiten Bodluv-Systems grösserer Reichweite, weiter in den Vordergrund rückt – möglicherweise nicht nur als Ergänzung, sondern gar als Ersatz zu Patriot. Mögliche Kandidaten dafür haben wir in der Juli-Ausgabe von SkyNews.ch vorgestellt. Eugen Bürgler