Bund gibt Kerosin aus Pflichtlagern frei

15. Oktober 2026: Im wöchentlichen Lagebericht zur wirtschaftlichen Landesversorgung vom heutigen 15. Oktober bestätigt das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF): „Bei Flugpetrol ist die Versorgung gefährdet“. Deshalb hat der Bund vom 15. Oktober bis 1. November Bezüge von bis zu 30’000 Kubikmetern Kerosin (30 Millionen Liter) aus den Pflichtlagern bewilligt. Zahlreiche Faktoren haben zur Verknappung beigetragen vom Irankrieg über das Niedrigwasser im Rhein bis zu Volumenbeschränkungen beim CEPS-Pipelinesystem der NATO.

Generell sind in Europa die Raffinerie-Kapazitäten für die Versorgung mit Kerosin (Jet A1) knapp (mehr dazu im Schwerpunkt zur Kerosinversorgung SkyNews.ch 05/2026). Nun sind für die Schweiz weitere Faktoren hinzugekommen, welche die Versorgung mit Kerosin und Diesel beeinträchtigen. Zwar hält das WBF in seiner Analyse von Ende September fest, dass der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus am Zunehmen sei, doch der grössere Flaschenhals wird quasi vor der Haustür lokalisiert: Der Rhein sei für für Mineralölimporte derzeit faktisch nicht nutzbar. Kerosin gelangt, was den Flughafen Zürich und die Deutschschweiz betrifft, zwar hauptsächlich per Bahntransport in die Schweiz. Eine angekündigte Sperrung der Rheintalbahn im Oktober hat nun zusammen mit den Einschränkungen der Rheinschifffahrt zu einem Engpass bei der Versorgung mit Flugpetrol geführt.

Für die Versorgung der Schweiz mit Kerosin ist auch das Central Europe Pipeline System (CEPS) relevant. Dieses militärische Pipeline-System unter der Kontrolle der NATO kann seit 1959 zivil mitbenutzt weden und ist für die direkte Versorgung vieler Flughäfen in Belgien, Frankreich Deutschland und Luxemburg und den Niederlanden zentral. Auch für die Versorgung des Flughafens Zürich als grösstem Abnehmer von Kerosin in der Schweiz ist dieses Pipeline relevant, obwohl die Schweiz nicht direkt daran angeschlossen ist. Das Kerosin in Zürich wird hauptsächlich aus dem deutschen Tanklager in Kehl per Bahn angeliefert, dieses wiederum ist an die CEPS-Pipeline angeschlossen. Wartungsarbeiten an der Pipeline, verminderte Volumen für zivile Nutzung aufgrund der geopolitischen Spannungen und die Störung alternativer Transportrouten haben nun für die angespannte Lage bei der Kerosinversorgung geführt. Eugen Bürgler