Team Cellsius H2 erhält den Ackeret Preis 2025

18. Januar 2025: Das Team Cellsius H2 der ETH Zürich wurde am 14. Januar mit dem Jakob Ackeret Preis 2025 ausgezeichnet. Die Schweizerische Vereinigung für Flugwissenschaften (SVFW), vertreten durch ihren Präsidenten Dr. Jürg Wildi, würdigte das Team für ihr herausragendes studentisches Projekt zur nachhaltigen Luftfahrt in der Schweiz und überreichte ihnen eine Glastrophäe. Die SVFW verleiht den Jakob Ackeret Preis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der schweizerischen Luftfahrt.

Nach einer Laudatio liessen die geehrten Studierenden die bisherigen Meilensteine der ETH-Fokusprojekte Cellsius nochmals Revue passieren. Im Jahr 2020 setzte sich ein Team aus zwölf Bachelor-Studierenden das Ziel, ein vollständig elektrisches Flugzeug zu entwickeln. Grundlage war dabei der Bausatz des Sling TSi vom südafrikanischen Hersteller Sling Aircraft. Bereits im September 2022 absolvierte die «e-Sling» ihren Jungfernflug. Das elektrisch betriebene Flugzeug ist emissionsfrei und kann eine Stunde lang fliegen, allerdings dauert das vollständige Laden der Akkus zwei Stunden. Diese Herausforderung inspirierte das Folgeprojekt «Cellsius H2-Sling»: Dabei handelt es sich um ein wasserstoffbetriebenes Flugzeug mit ebenfalls null Emissionen, einer Flugzeit von zwei Stunden und einer Betankungszeit von nur fünf Minuten.

Das Team Cellsius H2 der Studienjahre 2024/25 haben nach einigen technischen und zulassungsbedingten Rückschlägen die Sling HW (HighWing) als Trägerflugzeug ausgewählt. Angetrieben wird die «H2-Sling» von einem 100kW Brennstoffzellensystem. Dieses erzeugt mithilfe von gasförmigem Wasserstoff Strom, welcher den Elektromotor antreibt. Die Hochvoltbatterie, entwickelt für den «e-Sling», fungiert als Puffer. Bei der elektrochemischen Umwandlung in der Brennstoffzelle entsteht ausschliesslich Wasser als «Emission». Das studentische Team hat das komplette Brennstoffzellensystem eigenständig entwickelt – einschließlich der Auswahl der Komponenten, der Regelung sowie der Struktur, Integration und Zulassung. Zusätzlich zum neuen Antriebsstrang mussten umfassende Anpassungen am Flugzeug vorgenommen werden: Dazu zählen verlängerte Flügel, eine neu entworfene Cowling und 2,60 Meter lange Tankverkleidungen für die beiden Underwing-Tanks, in denen gasförmiger Wasserstoff mit einem Druck von 700 bar gespeichert wird.

Für den Bau des Flugzeugs steht den Studierenden das altehrwürdige Hangar 3 auf dem Gelände des Innovationsparks Zürich zur Verfügung, gleich neben dem Flugplatz Dübendorf. Auffällig vor dem Hangar sind die grossen Schiffscontainer, welche für die Tests des Antriebsstrangs mit dem Propeller eingesetzt werden. Am 17. Oktober 2025 wurde die «H2-Sling» auf dem Flugplatz Dübendorf vorgestellt – das erste wasserstoffbetriebene Flugzeug weltweit, das von Studierenden gebaut wurde! Der Erstflug ist für das Frühjahr geplant. Wirklich aussergewöhnlich ist, dass die «H2-Sling» nicht von einem etablierten Flugzeughersteller gebaut wurde, sondern von Studierenden, die sich noch im Bachelorstudium befinden

Die Präsentation des ETH-Fokusprojekts Cellsius H2-Sling wurde durch Bilder und Videos ergänzt, welche die Studierenden während ihrer zwei arbeitsintensiven Jahre im Hangar zeigen – oft bis spät in die Nacht. Neben der engen Zusammenarbeit mit der Industrie sammelten sie wertvolle Erfahrungen und erhielten regelmässig hilfreiches Feedback von Professoren, ehemaligen Studierenden und Experten. In diesem Rahmen ging der Jakob Ackeret Preis zum ersten Mal an ein Team und nicht an eine Einzelperson.

Jakob Ackeret (1898 – 1981) war von 1931 bis zu seiner Emeritierung 1967 Professor der ETH Zürich, wo er das Institut für Aerodynamik gründete und leitete. Von ihm stammen wichtige theoretische Grundlagen der Strömungslehre, die breite Anwendungen im Maschinenbau und Flugwesen fanden. Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehören die Forschungen zum Überschallflug und visionäre Konzepte von Verkehrsflugzeugen. In seiner Habilitationsschrift schlug er den Begriff der Mach-Zahl vor.

Die Schweizerische Vereinigung für Flugwissenschaften (SVFW) fördert die Flugwissenschaften in der Schweiz, ist ein Treffpunkt von mehr als 300 Fachleuten aus der Luft- und Raumfahrt und fokussiert auf Wissenschaft, Technologie, Forschung, Entwicklung und Innovation und ist das Bindeglied zu den internationalen flugwissenschaftlichen Organisationen ICAS (International Council of Aerospace Sciences) und CEAS (Council of European Aerospace Societies). Die SVFW organisiert Vorträge zu wissenschaftlichen Themen aus der Luft- und Raumfahrt wie Flugtechnik, Flugmedizin, Flugrecht, Ausbildung und auch Entwicklungen aus vergangener Zeit. Zur Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verleiht die SVFW den Jakob-Ackeret-Preis für herausragende Forschungsarbeiten. Report von Ignaz Martin

Dr. Jürg Wildi würdigte das Das Team Cellsius H2 der ETH Zürich. Foto Ignaz Martin