FCAS ist gescheitert – jetzt wird’s spannend
09. Juni 2026: Das Future Combat Air System (FCAS) galt als eines der ambitioniertesten Rüstungsprojekte Europas. Nun haben Deutschland und Frankreich – wenig überraschend – das Ende des Programms bestätigt. Nach dem Aus für das Milliardenprojekt wird es sehr spannend, wie sich die Akteure bezüglich möglicher Alternativen positionieren. Aufwind gibt es jedenfalls für das GCAP-Programm von Grossbritannien, Italien und Japan.
Mit dem Ende des Future Combat Air System (FCAS) ist eines der bedeutendsten europäischen Rüstungsprojekte der vergangenen Jahrzehnte gescheitert. Was bei der Lancierung als Symbol europäischer Handlungsfähigkeit und strategischer Autonomie angekündigt wurde, endet nach Jahren politischer Spannungen und industrieller Konflikte ohne das ursprünglich angestrebte Ergebnis. 2017 haben die damalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine gemeinsame Zukunft für die europäische militärische Luftfahrt skizziert: Auf der Paris Air Show 2019 wurde FCAS schliesslich als Prestigeprojekt der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie präsentiert. Gemeinsam mit Spanien sollten Deutschland und Frankreich ein Kampfflugzeug der sechsten Generation entwickeln, ergänzt durch unbemannte Begleitdrohnen, vernetzte Sensorik und digitale Gefechtsführungssysteme. FCAS sollte nicht weniger sein als Europas Antwort auf amerikanische und künftig auch chinesische und allenfalls russische Luftkampfsysteme der nächsten Generation. Das Projekt sollte zudem sicherstellen, dass die technologischen und industriellen Kompetenzen zur Entwicklung moderner Kampfflugzeuge auf dem Kontinent erhalten bleiben.
Die Verteilung der Arbeitspakete entwickelte sich rasch zu einem Dauerkonflikt. Im Zentrum der Auseinandersetzungen standen der französische Hersteller Dassault Aviation sowie Airbus Defence and Space als deutscher und spanischer Hauptpartner. Streitigkeiten über Eigentumsrechte, Technologiezugang und Führungsverantwortung begleiteten das Programm über Jahre. Besonders Dassault-Chef Eric Trappier machte wiederholt deutlich, dass sein Unternehmen die führende Rolle beim künftigen Kampfflugzeug beanspruche. Seine öffentlichen Äußerungen waren dabei häufig wenig kompromissorientiert. Spanien als Juniorpartner im Bund blieb über weite Strecken Zuschauer eines Konflikts zwischen Paris und Berlin. Immerhin soll ein Teil des Projekts, ein Kommunikationssystem mit Combat Cloud und Drohnen, weitergeführt werden – Details dazu fehlen von offizieller Seite aber noch.
Paradox ist der Zeitpunkt für das FCAS-Scheitern. Als das Projekt gestartet wurde, tobte in Europa kein brutaler Angriffskrieg und auch die Zweifel an der Stabilität der transatlantischen Brücke waren damals nicht zu gross. Jetzt, wo Machtpolitik in den internationalen Beziehungen wieder viel stärker ausgespielt wird und die US-Regierung deutlich macht, dass Europa seine militärische Verteidigung gefälligst in die eigenen Hände nehmen soll, scheitern die deutsch-französischen Ambitionen für eine neues Kampfflugzeugsystem. Trotzdem, die Fronten schienen so verhärtet und das Klima zwischen Dassault und Airbus vergiftet, dass eine erfolgreiche Programmfortführung fast unmöglich schien und FCAS zu einer Geldverbrennungsmaschinerie zu werden drohte. Von daher ist FCAS woh ein typischer Fall für: Besser ein Ende mit Schrecken statt ein Schrecken ohne Ende.
Europa muss wohl lernen, stärker technologie- statt politikgetrieben zu agieren, auch wenn sich diese Aspekte besonders in der Rüstungspolitik natürlich nicht komplett voneinander trennen lassen. Spannend wird nun die Frage, ob Deutschland den Anschluss an das Global Combat Air Programme (GCAP) sucht. Das von Grossbritannien, Italien und Japan vorangetriebene Programm schien in den letzten Jahren jedenfalls deutlich besser voranzukommen als das FCAS.
Ebenso interessant wird die Rolle des schwedischen Herstellers Saab sein. Das Unternehmen erlebt derzeit neuen Rückenwind für sein Gripen-Programm und könnte von der Neuordnung des europäischen Kampfflugzeugmarktes profitieren. Wenn Europa seine Kompetenzen bei der Entwicklung moderner Kampfflugzeuge und vernetzter Luftkampfsysteme erhalten will, braucht es rasch eine neue Perspektive. Ob diese im Rahmen von GCAP, eines neuen europäischen Ansatzes oder durch eine völlig andere industrielle Konstellation entsteht, ist die spannende Frage, die bald eine Antwort braucht. Eugen Bürgler

















