Air Baltic sucht Schutz unter „Chapter 11“ und bekommt frisches Geld

14. September 2026: „Wir fliegen weiter. Buchen und reisen wie gewöhnlich“ – so steht es heute prominent auf der Website von Air Baltic. Normalerweise ist es kein gutes Zeichen, wenn eine Airline auf normalen Flugbetrieb hinweisen muss. Tatsächlich plagt die lettische Fluggesellschaft – ein wichtiger Wetlease-Partner von Swiss – eine hohe Schuldenlast. Nun hat Air Baltic den „Chapter 11 Prozess“ in den USA gestartet, um die Finanzen unter gerichtlicher Aufsicht zu sanieren.

Das „Chapter 11 Verfahren“ nach dem US-Insolvenzrecht erlaubt es Unternehmen, Schulden, Leasingverträge und andere Verpflichtungen unter gerichtlicher Aufsicht neu zu organisieren und auszuhandeln. Während der Dauer des Verfahrens sind rechtliche Schritte der Gläubiger gegen die Schuldner unterbunden. Die Einleitung des Verfahrens zeigt also definitiv, dass es um die finanzielle Situation des Unternehmens nicht rosig steht. Aussergewöhnlich ist es allerdings nicht, dass Airlines Schutz unter „Chapter 11“ suchen. Auch Branchengrössen wie American Airlines oder SAS sind schon unter „Chapter 11“ geflogen und konnten sich erfolgreich restrukturieren. In den USA wird das Verfahren unter anderem deshalb durchgeführt, weil Gläubiger dort ihren Sitz haben und beispielsweise Leasingverträge auch amerikanischem Recht unterstehen.

Air Baltic hat mit der Bekanntgabe des Schritts, Schutz unter „Chapter 11“ zu suchen, auch eine neue Finanzspritze bekanntgeben können. Die Airline hat von Investoren die Zusage für 350 Millionen Euro erhalten. Bedingung ist allerdings eine tiefgreifende Restrukturierung, die auch eine Reduktion des Streckennetzes und der Flotte beinhaltet. Air Baltic hatte Mitte August bereits bekanntgegeben, die Flotte von 54 Airbus A220-300 bis Ende Jahr auf 36 Maschinen reduzieren zu wollen. Längerfristig, bis in die frühen 2030er-Jahre, sollen es dann wieder 41 Maschinen sein.

Air Baltic, die als Wetlease-Partner von Swiss täglich zahlreiche Flüge für die Swiss durchführt, um dort fehlende Kapazitäten zu überbrücken, betont, dass der Flugbetrieb ohne Einschränkungen weiterläuft. Der eingeleitete Prozess der Sanierung werde weder die Passagiere noch die Operation beeinflussen. Hauptaktionär von Air Baltic mit über 88 Prozent ist der lettische Staat. Weitere 10 Prozent hält die Deutsche Lufthansa AG. Eugen Bürgler   www.airbaltic.com