2026 und FCAS schwebt immer noch in Ungewissheit

06. Januar 2026: Es war als das grosse Projekt europäischer Kooperation im Rüstungsbereich aufgegleist, das deutsch-französisch-spanische „Future Combat Air System“ (FCAS), ein Luftkampfsystem aus Drohnen, bemanntem Kampfflugzeug, Combat-Cloud und weiteren Aufklärungs, Kontroll- und Führungselementen. Doch ein teilweise gehässiger Streit über die Arbeitsteilung zwischen Frankreich und Deutschland hat auf höchster Ebene zu Zweifeln darüber geführt, ob es Dassault und Airbus miteinander können. Ab Mitte 2025 wurde eine Beendigung der Partnerschaft immer deutlicher als Option diskutiert. Bis zum Jahresende wurde eine Entscheidung versprochen. Die Entscheidung ist noch nicht da, das Projekt noch immer in der Schwebe.

 

Auf politischer Ebene wird derzeit die Notwendigkeit europäischer Kooperation bei jeder Gelegenheit betont, um auf der Weltbühne nicht unter die Räder zu kommen – gerade rüstungspolitisch müsse sich Europa zusammenraufen, um eigenständiger, unabhängiger und schlussendlich stärker zu werden. Das gute Beispiel dafür ist FCAS nicht. Noch vor der vielzitierten „Zeitenwende“ lanciert, hat es den Unwillen einiger Akteure zur Zusammenarbeit über Grenzen und Firmenareale hinaus gezeigt. Vor allem Dassault-Chef Eric Trappier hat ziemlich deutlich signalisiert, dass es Dassault seiner Ansicht nach alleine am besten kann. Welcher Weg nun eingeschlagen werden soll, müssen die Insider entscheiden. Von aussen betrachtet scheint es tatsächlich schwierig, nach dem Streit des vergangenen Jahres zu einer konstruktiven Zusammenarbeit zu finden.

 

Wie weiter? Es liegen mehrere Optionen auf dem Tisch. Diskutiert wird beispielsweise, dass „nur“ Elemente wie die Combat-Cloud, ein umfassendes Informationssystem, und Drohnen oder Bewaffnung gemeinsam entwickelt werden und Frankreich und Deutschland je ihr eigenes Kampfflugzeug bauen. Allerdings würden bei dieser Lösung die finanziellen Möglichkeiten der beiden Länder wohl enorm beansprucht. Für das FCAS-Programm in der ursprünglichen Form ist ein dreistelliger Milliardenbetrag veranschlagt. Offen ist auch, wie sich die Partnernation Spanien in so einem Fall positionieren würde. Möglich ist auch, dass sich Deutschland von FCAS abwendet und dem von Grossbritannien, Italien und Japan geführten GCAP-Programm zur Entwicklung eins Kampfflugzeuges der 6. Generation anschliesst. Frankreich würde in diesem Falle wohl nach Partnern Ausschau halten, die sich finanziell beteiligen. Die Frage, wie es mit FCAS weitergeht, ist eine der grossen, wegweisenden Fragen für die europäische Verteidigungsindustrie, die 2026 beantwortet werden muss und bei der auch weitere Akteure wie die schwedische Saab oder die Türkei eine Rolle spielen könnten. Eugen Bürgler