Mehr Power für den F-35

20. März 2023: Der Lockheed Martin F-35 ist das derzeit modernste verfügbare Kampfflugzeug der westlichen Welt, doch auch seine Konstruktion ist mittlerweile gegen 20 Jahre alt. Immer neue Sensoren und Systeme brauchen mehr Energie und Kühlung, als vor 20 Jahren eingeplant wurde. Triebwerksbauer in den USA arbeiten an Lösungen, um dem F-35A in Zukunft zu mehr Power und Kühlkapazität zu verhelfen. Im Vordergrund steht ein Upgrade des F135-Triebwerks durch Pratt & Whitney.

Pratt & Whitney wehrt sich entschieden gegen den kursierenden Vorwurf, das F135-Triebwerk sei nicht in der Lage, die künftigen F-35-Versionen anzutreiben. Der Triebwerkbauer räumt aber ein, dass zum Beispiel die ab 2028 mit der Version Block 4 zur Einführung anstehenden Fähigkeiten sehr viel mehr Energie und Kühlung beanspruchen, als das beim ursprünglichen F-35-Design vorgesehen war. Deshalb werde das F135-Triebwerk über das vorgesehene Mass hinaus beansprucht, was die Lebensdauer negativ beeinflusse.

Als Lösung schlägt Pratt & Whitney ein Upgrade der F135-Turbine vor, das Engine Core Upgrade (ECU). Der Triebwerkbauer General Electric (GE) dagegen versucht die US Air Force davon zu überzeugen, die F-35 künftig mit einem neu entwickelten Triebwerk statt mit Triebwerks-Upgrades stärker zu machen. GE arbeitet am XA100 Triebwerk und verspricht, dieses könne dem F-35 dank neuer Technologien mehr Leistung, Reichweite und bessere Beschleunigung bei geringerem Treibstoffverbrauch bringen. Ein gewichtiger Nachteil dieses Ansatzes: Das neue Triebwerk wäre nicht mit der F-35B kompatibel, der Version für Kurzstarts und Senkrechtlandungen (STOVL). Gemäss jüngsten Mitteilungen aus dem Pentagon favorisiert die US Air Force ein Triebwerk-Upgrade durch Pratt & Whitney. Für die XA100-Entwicklung von GE sind im jüngsten Budgetentwurf für das nächste Fiskaljahr keine Mittel vorgesehen. Die Triebwerksfrage dürfte früher oder später auch für die Schweiz von Relevanz sein. Pratt & Whitney sagt, man könne im Jahr 2028 mit der Lieferung von leistungsgesteigerten Triebwerken beginnen – als just dann, wenn die Lieferung von F-35A für die Schweiz anstehen.

Ein Problem mit dem aktuellen F135-Triebwerk hat in diesem Jahr für einen Unterbruch der F-35-Auslieferungen gesorgt. Zwischen Dezember 2022 und dem 5. März 2023 wurden keine neuen F-35 mehr ausgeliefert. Grund dafür war der Stopp der Werksflüge, die vor den Auslieferungen durchgeführt werden. Diese Flüge wurden gestoppt, nachdem ein F-35B eine Bruchlandung machte. Als Ursache für die missglückte Senkrechtlandung, bei welcher sich der Pilot nach unkontrollierten Bewegungen während der Landung mit dem Schleudersitz ausschoss, wurden ein Problem mit dem Triebwerk ausgemacht. Der Triebwerkhersteller Pratt & Whitney und Lockheed Martin haben eigenen Angaben zu Folge das Problem und eine Lösung dafür gefunden. Die Auslieferungen wurden wieder aufgenommen. eb       www.prattwhitney.com