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SkyNews.ch Juli 2026

Wir brauchen eine stabile Skyguide

Geschätzte Leserinnen und Leser

Sonntag, 21. Juni, noch vor 6 Uhr am Morgen: Der US-Vizepräsident J.D. Vance ist in einer Gulfstream V der US-Regierung im Anflug auf die Schweiz. Die ganze Welt interessiert sich dafür, denn er will auf dem Bürgenstock mit Vertretern des Iran über Frieden und freien Verkehr durch die Strasse von Hormus verhandeln.

In diesem Moment muss die Flugsicherung Skyguide ein «Clear the Sky»-Verfahren initiieren, der Flughafen Zürich wird beinahe lahmgelegt. Die Radarschirme zeigten nicht das, was sie sollten. Der Jet mit dem US-Vizepräsidenten landet trotzdem auf dem Militärflugplatz Emmen, gleich wie einige Linienmaschinen, die sich bereits im Anflug auf Zürich befinden. Nicht auszumalen, wie die Schweiz vor der Welt dagestanden hätte, wenn der US-Vize auf dem Weg zu den Friedensgesprächen hätte ausweichen müssen.
Das Gute dabei: Skyguide hat die Ausnahmesituation professionell und mit grossen Sicherheitsmargen gehandhabt. Das Bedenkliche: Die Liste der Pannen bei Skyguide ist zu lang. Vom grossen «Clear the Sky» im Juni 2022 mit rund 100 annullierten Flügen bis heute gab es kein Jahr, in dem gravierende technische Pannen ausgeblieben sind.

Technik, Strukturen und Finanzen sind bei Skyguide nicht im grünen Bereich. Das weiss niemand besser, als der neue CEO Peter Merz, der ehemalige Kommandant der Schweizer Luftwaffe. Seine Aufgabe ist schwierig: Die technischen Herausforderungen sind komplex und Skyguide arbeite zu teuer, sagen die EU-Kommission, die Airlines, Flughäfen und auch Politiker. Es stimmt, dass bei Skyguide über die Jahre Budgetposten angewachsen sind, die sich nicht immer mit Gegenleistungen rechtfertigen lassen. Die neue Skyguide- Führung lässt aber kaum Zweifel offen, diese Missstände anzugehen und hat ein Restrukturierungsprogramm samt Entlassungen aufgegleist, welches das Unternehmen durchrüttelt und die Kosten dauerhaft senkt.

Nur mit dem Finger auf Skyguide zu zeigen, greift aber zu kurz. Die Qualität ihrer Dienstleistung ist unbestritten gut. Gleichzeitig soll sie nutzerfinanziert funktionieren, ist aber mit kostentreibenden Faktoren konfrontiert, für die sie wenig kann: Der Schweizer Luftraum ist komplex, wirft mit den kurzen Distanzen aber nur wenig Überfluggebühren ab. Skyguide ist ein wesentlicher Teil der kritischen Infrastruktur des Landes und stellt Flugsicherung auch dann sicher, wenn es nichts zu verdienen gibt. Zum Beispiel während einer Covid-Pandemie oder wenn ein einzelner Rettungshelikopter bei schlechtem Wetter nach Instrumentenflugregeln durch die Nacht fliegt. Skyguide muss stabil funktionieren, nicht nur, wenn der US-Vize im Anflug ist, sondern jeden Tag. Wenn das andere Rahmenbedingungen braucht und ein Preisschild hat, dann müssen wir uns das leisten, denn zuverlässig funktionierende Infrastrukturen sind ein unverzichtbarer Teil des Erfolgsmodells Schweiz.

Eugen Bürgler, Chefredaktor SkyNews.ch

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