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SkyNews.ch Juni 2026

Das Heft in die Hand nehmen

Geschätzte Leserinnen und Leser

Aufschrei und Empörung sind vergleichsweise moderat ausgefallen, als das Schweizer Verteidigungsministerium (VBS) am 13. Mai meldete, die Lieferung der bestellten Patriot-Luftabwehrraketen, für die bereits Anzahlungen geleistet wurden, verzögere sich um fünf bis sieben Jahre und werde massiv teurer. Weil man vorher schon von vier bis fünf Jahren Verspätung wusste und auch Meldungen aus dem VBS über ein paar hundert Millionen an Mehrkosten nicht neu sind, hat man das erst einmal zur Kenntnis genommen.
Der schwarze Peter für dieses Beschaffungsdebakel sitzt nicht im VBS. Vielmehr zeigt das Beispiel die rasche und grundlegende Veränderung von sicherheitspolitischer Lage und Rüstungsmarkt. Letztes Jahr wurden laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri weltweit 2887 Milliarden US-Dollar fürs Militär ausgegeben, so viel wie noch nie zuvor. Die 2,3 Schweizer-Milliarden, die für Patriot vorgesehen waren, liegen da im Promillebereich und weil die Schweiz weder einer Allianz angehört, noch einen Platz auf der Prioritätenliste der USA hat, muss sie ganz hinten anstehen und kann – eigentlich nicht viel dagegen tun. Bild: Eugen Bürgler Resignation ist jedoch kein guter Ratgeber. Auch in der neuen Weltlage kann die Schweiz Sicherheit und Stabilität aktiv mitgestalten. Die European Sky Shield Initiative (ESSI), ein freiwilliger Zusammenschluss europäischer Staaten, der Ressourcen bündelt, um die Luftverteidigung zu stärken, ist ein Beispiel dafür. Bei der Beschaffung des IRIS-T Luftabwehrsystems profitiert die Schweiz von den Konditionen, die für ESSI-Mitglieder gelten – und es scheint zu funktionieren.
Weiter muss die Schweiz ihre technologischen Fähigkeiten nutzen und gezielt fördern. Beispiele dafür zeigen in die richtige Richtung: Im Mai 2026 wurden im Rahmen des «Research Programm Security» erste Projekte gestartet. Dieses Programm bringt sicherheitspolitische Bedürfnisse der Schweiz mit der Spitzenforschung des ETH-Bereichs zusammen. Der renommierte Robotik-Experte und ETH-Professor Roland Siegwart sagte dazu gegenüber Schweizer Radio SRF, dass auch bei ihm ein Umdenken stattgefunden habe. Heute sage er, wenn die ETH etwas zur Verteidigungsfähigkeit der Schweiz beitragen könne, solle sie das tun. Der Weg aus der Komfortzone heraus geht weiter.

Eugen Bürgler, Chefredaktor SkyNews.ch

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